Ende 2008. Nach meinem Wiedereinstieg in den Modellsegelflug mit den genialen Multiplex «Elapor-Bombern» EasyGlider Electric und Cularis musste etwas Grösseres und Anspruchsvolleres her. Angetan von der Qualität der Elektrosegler aus dem Hause Simprop prüfte ich den Excel 4004; die Optik des V-Leitwerks und fehlende Störklappen hielten mich vorerst vom Kauf ab. Zum Glück, denn nur wenige Monate später wurde ich auf die innovative Neuentwicklung Solution XL Projekt Zwo, die Nachfolgerin der Solution XL aufmerksam (letztere hatte ich ebenfalls ins Auge gefasst, dann aber wegen ihres Alters – wie auch die Prolution 4004 – verworfen). Hatte ich den perfekten Allround-Segler gefunden?
Abbildung 1: Simprop Solution XL Projekt Zwo vor dem Jungfernflug mit voll ausgefahrenen Störklappen, sowie Querrudern und Wölbklappen in Butterfly-Position.
Da zuverlässige Informationen zur Solution XL Projekt Zwo nicht nur auf der offiziellen – absolut unwürdigen – Simprop-Website, sondern auch in Internet-Foren dünn gesät waren, bestellte ich als erstes sämtliche Magazine mit Test-Berichten nach, um mir ein Bild machen zu können. Folgende Quellen haben sich im Nachhinein als besonders hilfreich erwiesen:
Ziemlich schnell zeichnete sich ab, dass die Elektro-ARF-Version trotz der gewöhnungsbedürftigen weiss / perlmutt-blauen Bespannung die richtige Wahl für mich ist, denn einerseits wollte ich aus technischen (eine Funktion mehr für das «Kind im Manne») und lokalen Gründen (Bremswirkung in den Schweizer Alpen) nicht auf Störklappen verzichten, andererseits hatte ich als «wilder» Pilot sowieso keine Möglichkeit zum F-Schlepp, was einen eigenen Antrieb unabdingbar machte. So bestellte ich mir die Solution XL Projekt Zwo! Nach einer (gefühlt) unendlich langen Lieferfrist von sechs Wochen traf sie – genau einen Tag nach meinem Dreissigsten – zusammen mit einem Teil des sorgfältig ausgewählten Zubehörs (vgl. Kapitel 2) ein. Der Bau (vgl. Kapitel 3) begann am folgenden Tag und dauerte – in «gemütlichem» Tempo – etwas mehr als zwei Monate. Pünktlich zum Frühlingsanfang war die Zeit reif für den Jungfernflug (vgl. Kapitel 4).
Doch beginnen wir von vorne...
Die Simprop|DE Solution XL Projekt Zwo wurde im Frühjahr 2008 auf der Spielwarenmesse Nürnberg|DE präsentiert. Dabei sorgte vor allem das «futuristische Leitwerk, bei dem Hai und Wal gleichermassen Pate gestanden haben» für Aufsehen. Was viele, wie in diesem Fall Philipp Korntheurer, als seltsam oder gar lächerlich verspotten, empfinde ich auch heute noch als technisch geniale Lösung, die mir zudem optisch sehr gut gefällt.

Abbildung 2 / 3: Bullenhai (links) und Orca (rechts) sollen angeblich beim futuristischen T-Leitwerk der Solution XL Projekt Zwo Pate gestanden haben.
Photos: Brian J. Skerry (links); Gerard Lacz (rechts)

Abbildung 4 / 5: Detailansicht des T-Leitwerks (links) mit Design-Hutze; Simprop-Konstrukteur Bernd Schwermann an der Spielwarenmesse Nürnberg 2008 (rechts).
Photos: Udo Fiebig
Das exzellente Einsteigermodell in die 4m-Klasse (genau genommen beträgt die Spannweite sogar 4mm mehr) hat eine Länge von 1769mm und bringt in der von mir gewählten Version über 5kg auf die Waage. Für die Styro-Abachi-Flächen in bewährter Simprop-Fertigbauweise mit Elastic-Flaps, minimalen Ruderspalten, dreifacher V-Form, Tiefensprung und Flächenohren wurde das thermikorientierte Flügelprofil HQ/W-2.3 / 12.0% > 10.5% > 9.0% von Dr. Helmut Quabeck verwendet. Es lässt sich durch den Einsatz der Wölbklappen noch deutlich in Richtung «soft» oder «hot» verschieben. Die Tragflächen, der Rumpf (nur bis zum Seitenleitwerk) und das Höhenleitwerk sind von der «Prolution 4004» abgeleitet.
| Herstellerangaben | eigenes Modell | |
|---|---|---|
| Spannweite | 4004mm | 4008mm |
| Länge | 1769mm | 1779mm |
| Flügelprofil | HQ/W-2.3 / 12.0% > 10.5% > 9.0% | |
| Flügelstreckung | 18.90 | |
| Leitwerksprofil | HQ/W-0 / 7.7% > 9.0% | |
| Tragflächeninhalt | 84.7dm² | |
| Höhenleitwerksinhalt | 8.7dm² | |
| Fluggewicht | ab 5100g | 5367g |
| Gesamtflächenbelastung | ab 54.6g/dm² | 57.5g/dm² |
| Einstellwinkeldifferenz (EWD) | +1.75° | +1.78° (links) |
| Schwerpunkt | 86mm - 96mm | 91mm |
| V-Form | 1.5° / 3.5° (je Seite); ca. 2.5° (mittlere V-Form) | |
| RC-Funktionen | Höhe, Seite; Querruder, Wölb- (Butterfly) und Störklappen; Motorregler | |
| Preis | €UR 693.— | CHF 979.— |
Tabelle 1: Technische Daten der Simprop Solution XL Projekt Zwo in der Elektro-ARF-Version.
Quelle: Simprop [April 2008]
Auch bei der Solution XL Projekt Zwo hat Simprop-Konstrukteur Bernd Schwermann nicht an Verstärkungen gespart: so wurden von der Spitze bis zum Ende der Tragflächenanformung etwa 5cm breite CFK-Bänder in den GFK-Rumpf eingearbeitet und die Styro-Abachi-Flächen ihrerseits mit GFK verstärkt. Generell ist der Vorfertigungsgrad sehr hoch; sämtliches Befestigungsmaterial und Anlenkungszubehör (inkl. Servoeinbaurahmen) ist enthalten. Dies und viele weitere typische Lösungen à la Harsewinkel führen zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Auf den Bausatz werde ich in Kapitel 3 noch genauer eingehen, zuerst jedoch ein paar Worte zum verwendeten Zubehör...
Wer ein über 5kg schweres Modellflugzeug sicher betreiben will, muss sich auf sämtliche Teile voll und ganz verlassen können! Es verwundert also nicht, dass das von mir sorgfältig ausgewählte, qualitativ hochwertige Zubehör rund zur Hälfte «Made in Germany» und zu einem Viertel «Made in Japan» ist; Südkorea und die USA haben einen Anteil von knapp 10%. Der Rest ist schwer zuzuordnen, stammt aber – so ist anzunehmen – aus Billiglohn-Ländern wie China (nicht genauer bestimmen lässt sich, wie viel Firmen wie Simprop|DE, Kontronik|DE, Futaba|EN und Co. im Ausland produzieren lassen).
| Empfänger | ca. CHF 250.— |
|---|---|
| Servos | ca. CHF 600.— |
| Regler | ca. CHF 350.— |
| Motor, Spinner und Propeller | ca. CHF 400.— |
| Akku | ca. CHF 250.— |
| Logger (ohne Variometer) | ca. CHF 200.— |
Tabelle 2: Ungefähre Kosten des verwendeten Zubehörs.
Einziger Nachteil des «edlen» Zubehörs: im Schweizer Fachhandel musste ich für die komplett ausgestattete Solution XL Projekt Zwo in der Elektro-ARF-Version ziemlich genau CHF 3000.— auf den Tisch legen, das sind ca. €UR 2000.— (vgl. Tabelle 2). Ich denke, dass die Elektro-ARC-Version mit Aussenläufer-Motor und billigstem Zubehör für knapp über CHF 2000.— möglich wäre. Gut schlafen könnte ich damit aber nicht!
Update [Mai 2010]: Bei den Kosten kommen noch rund CHF 50.— für den selbst entworfenen Folien-Dekorsatz hinzu.
Vorbemerkung: Für Piloten, die keinem Verein angehören und somit öfters abseits von Modellflugplätzen fliegen, kommt IMHO (meiner bescheidenen Meinung nach) nur ein Übertragungsverfahren im 2.4GHz-Frequenzband in Frage! Da ich mit Futaba|EN bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht hatte und die Japaner mit ihrer FASST-Technologie als erste ein zuverlässiges System für den Modellflug anbieten konnten, kaufte ich mir im August 2008 den 10-Kanal-Sender T10CP.
Ein «Full-House-Glider» mit zusätzlichen Störklappen und Motorregler benötigt neun Kanäle; mindestens ein weiterer Kanal ist für die Steuerung des Variometers sinnvoll. Somit kam – obwohl ich die Störklappen über ein Y-Kabel betreiben muss, weil der Futaba Sender T10CP nur über acht proportionale Kanäle verfügt – nur der Futaba Empfänger R6014FS FASST 2.4GHz (20.8g) in Frage. Da der Rumpf der Solution XL Projekt Zwo mit CFK-Bändern verstärkt ist, die aufgrund ihrer elektrischen Leitbarkeit Signalverfälschungen hervorrufen könnten, habe ich diesen 14-Kanal-Empfänger nachträglich mit 400mm Empfängerantennen ausgestattet; diese kann ich besser aus dem Rumpf führen.
Update [Juli 2009]: Mittlerweile ist mit dem Futaba R6014HS FASST 2.4GHz ein Nachfolger meines Empfängers erhältlich. Er soll weniger anfällig für hohe Temperaturen und besser verträglich mit gewissen Hitec|DE-Servos sein. Zudem wird die Frequenz bei der Ansteuerung von Digitalservos auf sieben Kanälen verdoppelt, was aber vor allem für den Einsatz in Helikoptern relevant ist.
Der Einsatz von Digitalservos hat fast nur Vorteile: höheres Drehmoment, bessere Auflösung, bessere Neutralstellung und höhere Haltekraft. Über den höheren Stromverbrauch muss man sich allerdings im Klaren sein. So können zwei verklemmte Störklappen oder ein gleichzeitiges Betätigen aller Servos ein schwaches BEC bereits in die Knie zwingen (vgl. Kapitel 2.3). Zum Glück gibt die Datenbank Servomances|FR – Caractéristiques et Performances des Servos einen Anhaltspunkt der zu erwartenden Maximalströme (vgl. Tabelle 3).
| Futaba S3050 Digital | Futaba S3150 Digital | |
|---|---|---|
| Getriebe | Metall | Metall |
| Drehmoment | 52.0Ncm | 37.0Ncm |
| Stellzeit | 0.15s/45° | 0.19s/45° |
| Stromstärke Imax | 835mA | 615mA |
| Gewicht | 49.0g | 23.0g |
| Abmessungen | 40.0mm x 38.1mm x 20.0mm | 30.0mm x 29.0mm x 10.8mm |
Tabelle 3: Technische Daten der Futaba Servos Standard High-Torque S3050 Digital und Slim S3150 Digital (4.8V).
Quellen: Futaba [April 2009]; Servomances [April 2009]
Für Querruder- und Wölbklappen-Anwendungen hat sich das Futaba|EN Slim Digital Servo S3150 (23g) schon fast zur Norm «gemausert». Trotz seiner Breite von lediglich 10.8mm ist es extrem kräftig und verfügt über gefräste Zahnräder aus Messing; es sollte aber nicht mit einer Spannung von 6V betrieben werden. Da die Solution XL Projekt Zwo zusätzlich über Störklappen verfügt, kommen gleich drei Servos dieses Typs pro Fläche zum Einsatz. Im Rumpf verrichten zwei Standard High-Torque Digital Servos S3050 (49g) ihren Dienst. Das 6g leichtere Standard High-Torque Servo S3152 wäre eine echte Alternative, ist aber etwas langsamer und hat kein Metallgetriebe.
Natürlich gibt es weitere zuverlässige Hersteller von Servos. Doch seit das in Internet-Foren viel gelobte Hitec|DE Servo HS-65MG (mit «robustem» Metallgetriebe) nach nur wenigen Flügen in meiner Multiplex Cularis versagt hat, bleibe ich persönlich lieber bei Futaba. Damit habe ich den zusätzlichen Vorteil, dass Empfänger und Servo absolut kompatibel sind.
Für Elektro-Modellsegelflieger ab sechs bis acht Servos wird grundsätzliche ein Betrieb mit separater Empfängerstromversorgung (LiPo-Akku und separater Empfängerakku) oder – eher übertrieben – mit Doppelstromversorgung (zwei LiPo-Akkus verbunden über eine Akku-Weiche) empfohlen; dies umso mehr, wenn Digitalservos zum Einsatz kommen. Eigene Messungen haben ergeben, dass die Ströme beim Einsatz eines BEC auch bei unrealistischem, kräftigem Rudern mit acht Digitalservos praktisch nie über 2A steigen (selbstverständlich ist beim Bau darauf zu achten, dass die Ruder leichtgängig gehen).
Update [Juli 2009]: In den ersten zehn Flügen mit der Solution XL Projekt Zwo stieg die BEC-Maximalstromstärke gemäss Logger nie über 0.55A. Diese Messungen sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen, da die Auflösung der Daten maximal 100ms beträgt.
Folglich kann ein entsprechender Segler mit einem einzigen LiPo-Akku sicher betrieben werden, wenn das BEC des Reglers einen Dauerstrom von 2A und einen Maximalstrom von 5.36A (Summe der Maximalströme; vgl. Kapitel 2.2) aushält; zusätzlich sollte die BEC-Spannung bei ca. 4.8V liegen, da sonst das Futaba|EN Slim Digital Servo S3150 ausserhalb der Empfehlungen betrieben wird. All diese Eigenschaften vereint der edle Kontronik|DE Regler Jive 80+ LV (84g), der zudem über automatische Kommutierungsanpassung und ein schlag- und wasserfestes Gehäuse mit sehr guter Wärmeabfuhr verfügt. Der Drehzahlsteller versorgt den Empfänger über zwei parallele BEC-Kabel mit 5A Dauerstrom und einem Maximalstrom von sagenhaften 15A! Mit Hilfe der ProgCard II lässt sich die BEC-Spannung (getaktet) auf 5V limitieren. Der kurzschlussfeste Regler kann den Motor mit einem Dauerstrom von 80A antreiben; gute Kühlung ermöglicht bis zu doppelter Leistung. Übrigens liessen sich separate Empfängerakkus auch ohne den Einbau von Schottky-Dioden an die meisten Kontronik- und Simprop|DE-Regler anschliessen.
Seien wir realistisch: mit der hier aufgezeigten Methode entfallen nicht nur die Wartung eines zusätzlichen Akkus und bis zu 75g Fluggewicht, sie ist IMHO – die üblichen, regelmässigen Kontrollen aller Komponenten vorausgesetzt – auch sicher! Nur eine komplette Redundanz und damit der Einsatz von zwei Empfängern würde einen entscheidenden Mehrwert bringen. Dies ist meiner Meinung nach erst ab Segelfliegern mit mehr als 5m Spannweite sinnvoll.
Für weitere Informationen sei auf den Artikel «Alles über BEC-Stromversorgungen – Sicherheit im Modellflug durch sichere Empfängerstromversorgung» hingewiesen; in diesem ursprünglich in der FMT|DE – Flugmodell und Technik [Februar 2002] erschienenen PDF-Dokument betrachten Elektronik-Spezialist Ulf Herder und Matthias Schulze von Schulze Elektronik|DE die Zusammenhänge zwischen BEC und Pufferakku ausführlicher.
Genial einfach: beim Anstecken der kleinen Kontronik|DE ProgCards (vgl. Abbildung; Photo: Kontronik) an einen passenden Regler werden die bereits eingestellten Parameter ausgelesen und mittels LED angezeigt (dazu wird ein Servo-Kabel, jedoch keine zusätzliche Batterie benötigt). Anschliessend lassen sich mit Hilfe eines Tasters alle erdenklichen Parameter einstellen; nur die Abschalt- resp. Abregel-Spannung ist mit maximal 3.0V etwas tief angelegt. Da es sich hier jedoch um die Spannung unter Last handelt, ist dieser Wert sowieso mit Vorsicht zu geniessen! Zum Schutz meiner LiPo-Akkus habe ich deshalb diesen Maximalwert eingestellt.
ProgCard I (für Jive, Jazz-Familie, Pix und Sun Plus): Bremse, Akkutyp (NiCd / NiMH oder LiPo), Abschalten oder Abregeln inkl. Spannung in ca. 0.2V-Schritten zwischen 2.5V und 3.0V, Anschprechverhalten (weich oder schnell), Timing-Veränderung (automatisch oder in 5°-Schritten zwischen -5° und 10°), Drehzahlregelung inkl. Hochlaufzeit in 2s-Schritten zwischen 6s und 12s, Auto-Programmier-Modus oder feste Knüppelwege inkl. Setzen der einzelnen Knüppelpositionen (Motor aus, Vollgas, Bremse), Zurücksetzen in Originalzustand.
ProgCard II (für Jive): BEC-Ausgangsspannung in 0.2V-Schritten zwischen 5V und 6V, maximale Bremsstärke in 2.5%-Schritten, Drehzahlregelung (Glättung, Integralverstärkung und Proportionalverstärkung), Drehrichtungsumkehr, Hold 3s oder 0.3s, Zurücksetzen in Originalzustand.
Die beiden ProgCards kosten je knapp CHF 30.— (ca. €UR 20.—).
Update [Juli 2009]: Mittlerweile ist mit dem Kontronik Regler Jive 60+ LV (84g) eine baugleiche, aber um etwa CHF 50.— (ca. €UR 35.—) günstigere Alternative erhältlich. Diese würde jedoch mit bis zu 95% des Dauerstromes, anstatt vernünftigen 71.5% belastet.
Vorbemerkung: In Anlehnung an die offizielle Antriebsauslegung von Dr. Wolfgang Schäper habe ich mich für einen 4S-LiPo-Akku (vier Zellen in Serie) entschieden (vgl. Kapitel 2.5).
Für die Antriebsauslegung nehme ich MotoCalc|EN – Electric Flight Performance Prediction Software zur Hilfe. Dieses einfach zu bedienende Programm kostet in der Download-Version zwar stolze US$ 39.— (ca. CHF 45.— / €UR 30.—), lässt sich aber äusserst intuitiv bedienen und beinhaltet hilfreiche Funktionen, wie zum Beispiel den MotoWizard (viele Leute bevorzugen Drive Calculator|DE, ich komme mit dieser Freeware allerdings gar nicht klar).
Aus der Praxis war mir bekannt, dass Innenläufer-Motoren mit Getriebeuntersetzung in Verbindung mit grossen Klappluftschrauben ca. dreimal teurer sind, aber insbesondere beim (Hand-) Start den besseren Wirkungsgrad und damit die höhere Antriebsleistung als Aussenläufer bieten. Mit anderen Worten: exakt das, was ich brauche! Auf Grund dessen konnte ich mich sehr schnell für den Kontronik|DE Innenläufer-Motor Kira 600-24 mit Getriebe 6.7:1 (312g) entscheiden. Dieses Performance-Wunder verfügt über einen internen Lüfter und liefert so bis maximal 950W Dauerleistung. Zur optimalen externen Kühlung setze ich den empfohlenen Simprop|DE Alu-Spinner Turbo Ø 45 / BW 8mm / Ø 6.0 (20.5g) ein.
Vom ebenfalls empfohlenen Simprop Innenläufer-Motor Magic-Drive 50-28 mit Getriebe 6.7:1 (317g) habe ich übrigens abgesehen, weil damit der Wirkungsgrad um rund 3.2% tiefer liegen würde und ich davon ausgehe, dass Regler und Motoren des gleichen Herstellers besser harmonieren.
| Regler | Kontronik Jive 80+ LV | |
|---|---|---|
| Motor | Kontronik Innenläufer Kira 600-24 mit Getriebe 6.7:1 | |
| Spinner | Simprop Alu-Spinner Turbo Ø 45 / BW 8mm / Ø 6.0 | |
| Akku | Enerland LiPo PolyQuest 4500XQ 4S1P (30C) | |
| Propeller | aero-naut CAMcarbon 18.5 x 12" | aero-naut CAMcarbon 18.0 x 11" |
| Stromstärke | 57.2A | 48.7A |
| Leistung Pin | 795.9W | 683.6W |
| Leistung Pout | 718.9W | 621.0W |
| Wirkungsgrad | 90.3% | 90.8% |
| gewichtsbezogene Leistung | 147.5W/kg | 126.7W/kg |
| Drehzahl | 4779rpm | 4859rpm |
| Standschub | 42.06N | 37.94N |
| Strahlgeschwindigkeit | 24.3m/s | 22.6m/s |
| Steiggeschwindigkeit | 6.22m/s | 5.00m/s |
Tabelle 4: Antriebsauslegung mit zwei verschiedenen Klappluftschrauben (425m über Meer; 1013hPa; 25°C).
Quelle: MotoCalc [August 2009]
Nach längeren Analysen mittels MotoCalc kamen für mich zwei Klappluftschrauben in Frage (vgl. Tabelle 4). Um den Handstart ohne Werfer zu erleichtern, habe ich mich schlussendlich für die kräftigere aero-naut|DE CAMcarbon 18.5 x 12“ (32g) entschieden; damit beträgt das Verhältnis von Standschub zu Gewicht 0.78:1. Die gewichtsbezogene Leistung von 147.5W/kg ermöglicht eine (theoretische) Steiggeschwindigkeit von 6.22m/s bei einer Steigrate von 30.6°. Trotzdem bleibt die Stromstärke mit 57.2A im grünen Bereich. Auch gemäss Michael «Mike» Franz von Kontronik passt diese Antriebsauslegung «sehr gut».
In Elektroseglern werden heute typischerweise Lithium-Polymer-Akkus mit mehreren in Serie geschalteten 3.7V-Zellen eingesetzt. Je höher dabei die Zellenzahl (und somit die Spannung), desto niedriger ist die für die gleiche Leistung notwendige Stromstärke. Mit anderen Worten: es gilt, eine sinnvolle Kombination von Spannung und Stromstärke zu finden!
Für den gewählten Kontronik|DE Innenläufer-Motor Kira 600-24 mit Getriebe 6.7:1 (vgl. Kapitel 2.4) bieten sich 4S- (vier Zellen in Serie), 5S- oder – sehr brachial – 6S-LiPo-Akkus an. In Anlehnung an die offizielle Antriebsauslegung von Dr. Wolfgang Schäper habe ich mich für einen Enerland|EN LiPo-Akku PolyQuest 4500XQ 4S1P mit 30C (499g) entschieden, weil dieser relativ leicht ist, sehr gut in den Rumpf der Solution XL Projekt Zwo passt und die Stromstärke immer noch unter 60A liegt (der Akku würde eine Dauerstromstärke von 135A, kurzzeitig sogar 225A, vertragen). Ausserdem ist der Funkenschlag beim Anschliessen eines 4S-LiPo-Akkus aufgrund der niedrigeren Spannung natürlich weniger ausgeprägt, was die Hochstromstecker 6mm (Gold) schont.
Update [Januar 2010]: Eine selbst gebastelte Anti-Blitz-Schaltung in Form eines 4.7Ω-Drahtwiderstandes (3W) verhindert nun den Funkenschlag und schont dadurch die «Goldies» zusätzlich.
LiPo-Akkus werden vor allem wegen ihrer hohen Energiedichte geschätzt, haben jedoch auch einen grossen Nachteil: bei Überladung, Kurzschluss oder mechanischem Defekt können sie sich entzünden oder im schlimmsten Fall sogar explodieren; Beispiele findet man auf YouTube|EN zur Genüge. Deshalb dürfen die wertvollen Energiespeicher nur gemäss Herstellerangaben und mit dafür vorgesehenen Geräten geladen werden (ab zwei Zellen immer mit Balancer). Zudem muss der Ladevorgang bei starker Erwärmung sofort unterbrochen werden –, Aufsicht ist deshalb Pflicht!
Aus diesem Grund lade und «überwintere» ich LiPo-Akkus nur noch im LiPo-Safe (vgl. Abbildung; Quelle unbekannt), einem Sack aus schwer brennbarem Material mit Klettverschluss und seitlichen Lüftungsschlitzen, durch welche die Ladekabel geführt werden können. Den LiPo-Safe gibt es in zwei Grössen, wobei der grössere (22cm x 30cm) für LiPo-Akkus mit mehreren Zellen geeignet ist und rund CHF 40.— (ca. €UR 25.—) kostet.
Update [Juli 2009]: Die Entwicklung im Bereich der Akkus ist rasant; bereits jetzt ist mit dem Enerland LiPo-Akku PolyQuest V2 4550XQ 4S1P (492g) die nächste Generation erhältlich.
Bei meinem ersten Grosssegler – besser: fliegende Kapitalanlage! – wollte ich mich nicht auf die rein theoretische Antriebsauslegung (vgl. Kapitel 2.4) verlassen, sondern jederzeit die «verbratene» Kapazität auf einem Display kontrollieren können, um den LiPo-Akku nicht unter 30% zu entladen. Ausserdem wollte ich hinterher den Verlauf von Stromstärke und Temperatur mittels USB-Kabel auf dem Notebook kontrollieren können. Ein typischer Logger musste also her!
Nach längerem Hin und Her entschied ich mich für den Eagle Tree Systems|EN eLogger V3 (20g) in der 100A-Version mit integriertem 128KB Datenspeicher (vgl. Abbildung 6). Diese modulare Black-Box kann zum vollwertigen GPS-Logger ausgebaut werden. In meinem Fall reichen das ultra-dünne, konfigurierbare PowerPanel LCD Display (14g) und Sensoren für die Temperaturmessung an Motor (Loop Temperature Sensor), Regler und Akku (Micro Temperature Sensor).
Update [Januar 2010]: Mittlerweile habe ich festgestellt, dass der eLogger V3 nicht – wie in den technischen Daten angegeben – über 128kB, sondern über 512kB Speicherplatz verfügt. Der Haken: nur nach der Zahlung von weiteren US$ 9.99 (ca. CHF 10.— / €UR 7.—) lässt sich diese künstliche Limitierung mittels eines Codes über die Software freischalten!
Abbildung 6: Eagle Tree Systems eLogger V3 (links) mit PowerPanel LCD Display (rechts).
Photos: Eagle Tree Systems
Als Alternative wäre der SM-Modellbau|DE UniLog (6g) mit integriertem Höhenmesser in Frage gekommen. Der komplizierte Stromsensor und die – für eine Technologie-Firma – (damals) selten aktualisierte Website schreckten mich jedoch so fest ab, dass ich letztendlich Eagle Tree Systems den Vorzug gab.
Update [Juli 2009]: Um den Fokus vermehrt auf das Thermiksegeln zu richten, habe ich mir ein Renschler|DE Variometer Picolario Talk (22g) gekauft. Auf den Einbau einer TEK-Düse werde ich verzichten, weil einerseits verschiedene Experten, wie Markus Lisken und Ulf Gerber im vth-Fachbuch «Das Thermikbuch für Modellflieger – Thermik finden und optimal nutzen» [September 1992], davon abraten, und andererseits ein Wechsel zwischen verschiedenen Modellen erschwert würde.
In puncto Zubehör ist alles geklärt; damit kann der Bau beginnen...
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| Starts | Crashes | Reparatur | Wartung | |
|---|---|---|---|---|
| 2009 | 13 | 2 (15.38%) | CHF 55.55 | — |
| 2010 | 5 | 0 (0.00%) | — | CHF 14.50 |
| Total | 18 | 2 (11.11%) | CHF 55.55 | CHF 14.50 |
Tabelle 5: Logbuch.
2009: Geglückter «Maiden Flight» mit einwandfreien Flugeigenschaften. Wegen eines Abspracheproblems zwischen Pilot und Werfer schläg der Flieger während des Startvorgangs in den Boden ein; Kabel zwischen Motor und Regler aufgewickelt und Cockpit voller Erde! Schon wieder ein Crash beim Werfen! Wahrscheinlich habe ich bei der Reparatur etwas übersehen oder der Start durch Werfen erfolgte in einem falschen Winkel; Motorspant ausgerissen; komplette Wartung. Bei der Überprüfung der Lötstellen entdecke ich, dass ein Hochstromstecker nicht mehr richtig hält! Probleme zeigen sich auch bei der Dehnbarkeit resp. der Führung des Seitenruder-Seilzuges im Rumpf, der gekürzt und neu eingelötet werden muss. Erster Handstart ohne Werfer mit noch mehr Adrenalin, aber ohne Probleme; Antriebsauslegung hat sich bewährt. Bei einem sanften Riegelpiez entsteht im hinteren Bereich der Verklebung der beiden Rumpfhälften ein ungefähr 10cm langer Riss; vorerst repariere ich die Stelle nur oberflächlich. Nach kurzer erster Saison verpacke ich die Solution XL Projekt Zwo für den anstehenden Umzug.
2010: Winter... die Wartungsarbeiten bringen keine unbekannten Mängel zum Vorschein. Wie geplant werden die Servo-Hebelarme von Querrudern und Wölbklappen ersetzt (um das Spiel wegen ursprünglich zu gross gebohrten Löchern zu reduzieren), die Einstellwinkeldifferenz (EWD) durch ein «Silikon-Kissen» am Leitwerk um rund 0.7° auf +1.78° erhöht und gleichzeitig der Schwerpunkt neu ausgewogen, sowie eine selbst gebastelte Anti-Blitz-Schaltung eingebaut. Ein selbst entworfener Folien-Dekorsatz, der unter anderem die japanischen Kanji-Zeichen für «Solution» zeigt, wird angebracht. Antennen werden mit aerodynamischen Verkleidungen aus flexiblem Silikon gegen Abknicken geschützt. Nach einem Riegelpiez zeigt das Seitenleitwerk leicht nach rechts und muss neu justiert werden; im gleichen Zug wird der Kontronik Regler Jive 80+ LV für ein kostenloses Software-Update auf die Version 9 zu Kontronik eingesendet (nach einer Sicherheitsabschaltung in Folge Überlastung oder Fehlbedienung hätte es vorkommen können, dass das BEC «länger als gewünscht» gebraucht hätte, um wieder volle Leistung zu bringen).
weitere Informationen folgen...
Dank (in alphabetischer Reihenfolge): Daniel Biehle, Martin Eichstedt, Udo Fiebig, Michael «Mike» Franz (Kontronik|DE), Walter Frehner (Frehner Folientechnik|DE), Gerd Giese, Christian Muff, Sabine Muff, Eckart Müller, Werner Nef, Patrick Ridolfi (PR-Modellbau|DE), Thomas «Thommy» Seidel (Thommys.com|DE).